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Ich besitze ein geradezu sagenhaftes Talent, falsche Entscheidungen zu treffen. Ich esse Eis, obwohl ich Bauchschmerzen habe. Ich sage Verabredungen zu, obwohl ich völlig gestresst und verplant bin. Ich denke, ich könnte mit meinem Ex-Mann weiterhin befreundet sein, obwohl er bereits mit seiner Kollegin („Nein, du musst dir keine Sorgen machen, sie ist gar nicht mein Typ …“) eine neue Beziehung hat. Schlechteste Entscheidung ever. Aber manchmal, manchmal überrasche ich mich selbst, durchbreche mein typisches Verhaltensmuster und treffe genau die richtige Entscheidung. Zum Beispiel mit meinem Partner ein Baby zu machen, obwohl wir erst ein halbes Jahr ein Paar waren. Und unser Baby im Geburtshaus zur Welt zu bringen. Diese Entscheidung stellte sich als einer der besten in meinem Leben heraus. Warum? Davon will ich hier berichten.

 

Seit 5.00 Uhr morgens hatte ich Wehen. Ich fühlte mich wie eine Heldin, denn nun waren schon sieben Stunden vergangen und ich hatte immer noch genug Kraft weiter zu machen. Ich hielt mich an meiner Pole Dance Stange fest, kreiste die Hüften und atmete. Atmen. Das hatte ich zuvor beim Schwangerschaftsyoga bis zur Perfektion geübt. Durch die Nase einatmen, durch den Mund ausatmen. Ein Kinderspiel. Zugegebenermaßen gerade ein recht schmerzhaftes Kinderspiel, aber immer noch ein Kinderspiel. Mein Partner saß vor seinem PC und arbeitete von Zuhause aus. „Ich denke, es wird langsam heftiger mit den Wehen. Ist vielleicht besser, du nimmst dir den halben Tag frei.“ „Das hatte ich eh vor.“ „Okay. Und ich würde gerne noch was essen zur Stärkung. Wollen wir gleich was kochen?“ Mit „wir“ war natürlich mein Freund gemeint. Ich war viel zu beschäftigt, mein perfektes Atmen zu praktizieren. 45 Minuten später war das Kinderspiel vorbei. Die Kategorie „etwas stärkerer Menstruationsschmerz“ war nun definitiv nicht mehr zutreffend. Ich schrieb unserer Hebamme eine Nachricht, in der ich von meinem Heldentum berichtete. Wenige Minuten später rief sie mich an. „Das hört sich ja schon super an! Ich bin gerade noch bei einer Geburt. Wenn du was brauchst, melde dich oder komm ins Geburtshaus. Sobald die Geburt geschafft ist, bin ich ganz für dich da.“ Okay, kein Problem. Das halte ich noch eine Weile durch… Atmen. Baden. Becken kreisen. Ich hab‘ das voll raus.

Zwei Stunden später hatte unsere Hebamme ein gesundes Baby zur Welt gebracht. Nein, nicht unser Baby. Das andere Baby, das erst noch dran war. Endlich kam ihre Nachricht, dass die Geburt geschafft ist und sie nun wieder flexibel sei. Ich rief sie sofort an. „Kannst du kommen?“ „Jetzt noch nicht. Das Baby ist da, aber wir kümmern uns erst noch um die Mutter. Ich denke, eine Stunde wird es noch dauern. Kannst du so lange warten oder möchtest du schon ins Geburtshaus kommen?“… Na dann los!

Im Geburtshaus angekommen begrüßte die Hebamme uns strahlend. Noch konnte ich ihr Lächeln erwidern. Sie ließ mir Wasser in die XXL Badewanne ein. Da plantschte ich eine ganze Weile im warmen Wasser und versuchte irgendeine Position zu finden, die meinen Zustand etwas erträglicher machte. Ich weiß noch, dass mein Partner immer wieder mit mir redete, aber ich hatte kaum noch Kraft etwas zu antworten. Einatmen. AUA. Ausatmen. AUA. Zwischendurch kam unsere Hebamme zu uns und sprach mir gut zu. „Du machst das super. Ich würde dir gerne sagen, was du besser machen kannst, aber du machst das wirklich toll. Weiter so!“ Oh Gott. Weiter so. Wie lange denn noch?

Bei ihrem nächsten Besuch am Badewannenrand schlug sie vor, dass wir mal schauen, wie weit sich der Muttermund bereits geöffnet hatte. „Ja bitte“ keuchte ich. Wie vor jeder Berührung an meinem Körper fragte sie „darf ich?“ und ich nickte. Sie tastete und lächelte wieder. Aha, jeden Moment halte ich mein Baby im Arm, Freude! „Du hast schon 5cm geschafft!“ Wenn ich in dem Zustand noch richtig rechnen konnte, war das gerade mal die Hälfte des Weges?! „Was?“ „Heute oder morgen kommt euer Kind zur Welt!“ verkündete die Hebamme freudig. „Streich das MORGEN!“ sagte ich nicht ganz so freudig. Ich dachte, ich müsste das hier noch so ca. 10 Minuten durchhalten und nicht etwa ein paar weitere Stunden …?! Einatmen. AUA. Ausatmen. AUA.

Gerne würde ich nun in allen Einzelheiten vom weiteren Verlauf der Geburt erzählen. Aber ich kann es nicht. Ich erinnere mich einfach nicht mehr an alle Details, sondern nur noch an Bruchstücke. Unsere Hebamme, wie sie mir mein Hemd über den Rücken zog, als ich unter der Wehe beim Anziehen zusammensackte. Mein Partner der mir einen kalten Waschlappen auf die Stirn legte. Der Satz „in deinem Becken ist genug Platz für das Baby“. An die Herztöne, die immer wieder überprüft wurden. An den Atem der Hebamme, der in meinen eingestimmt hat, wenn ich den Rhythmus verloren hatte. An mein flehentliches Jammern, weil es so weh tat. Und an die zuversichtlichen Worte „du schaffst das!“, die mir die letzte Kraft gaben, um unser kleines Wunder auf die Welt zu bringen.

Und dann war sie da. Unsere kleine wunderbare perfekte Nele, auf die wir uns schon so lange gefreut haben. Auch wenn ich mich nicht mehr an jede Einzelheit ihrer Geburt erinnern kann, so kann ich mich doch an die Gefühle, die mich während der Geburt begleitet haben, ganz genau erinnern. Da war so viel Vertrauen, Fürsorge, Zuwendung und Geborgenheit, dass mein Partner und ich die Geburt für immer als wunderschönes Erlebnis in Erinnerung behalten werde. Wir bedanken uns hiermit von Herzen beim Team des Geburtshauses für die wunderbare Betreuung während der Schwangerschaft, bei der Geburt und auch in den Wochen danach. Und ganz besonders danken wir unserer Hebamme, die uns so liebevoll und souverän auf unserem Weg begleitet hat. Wenn wir irgendwann ein Geschwisterchen für Nele erwarten, wissen wir, wo es zur Welt kommen wird.

Tja, manchmal treffe ich eben doch genau die richtige Entscheidung …

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