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Hypnobirthing, als ich davon hörte, klang das für mich nach mal wieder irgendetwas Neumodischem aus Amerika und reizte mich überhaupt nicht. Schließlich hatte ich bereits eine recht gute erste Geburt erlebt. Allerdings war diese sehr lang (24 Std. vom Blasensprung und der ersten Wehe an) und mit zum Teil heftigen Schmerzen verbunden. Auch benötigte ich anschließend überaus lange Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen.

Aber wir wollten auch dieses Mal wieder einen Geburtsvorbereitungskurs für Paare machen und da unsere Hebamme diesen Hypnobirthing-Kurs anbot, musste ja irgendwas Gutes dran sein. Und schon mal vorab: es war das Beste, was uns passieren konnte!

Und so begann ich, knappe 3 Monate vor dem errechneten Termin, mich mit den unterschiedlichsten Atem-, Visualisierungs- und Entspannungstechniken vorzubereiten. Nicht alle Übungen des Hypnobirthings gefielen mir und so suchte ich mir nur das für mich Passende aus: jeden Mittag legte ich mich hin und hörte die Regenbogenentspannungs-CD, wobei ich dabei oft einschlief. Vorweg sprach ich innerlich die Affirmationen der CD nach, doch sie gefielen mir auf Dauer nicht mehr so ganz. Also schrieb ich sie mir etwas verändert ab bzw. um. Dadurch konnte mein Mann mir die Sätze auch unter der Geburt vorlesen, was wunderbar für mich war, aber dazu später mehr. Bei einer Affirmation „…meine Muskeln werden harmonisch zusammenarbeiten…“ visualisierte ich jedes Mal die blauen Satinbänder, die sich lösten. Fast jeden Abend übte ich die Wellenatmung, ganz schön anstrengend wie ich fand, und visualisierte dabei das Aufblasen eines orangefarbenen Luftballons. Ich nahm mir vor, nach anfänglichem Widerstand, die Geburtsatmung auf dem Klo zu üben. Das behielt ich allerdings nicht bei, verzichtete aber immerhin auf das Pressen, was mich anfangs total viel Geduld kostete.

Dass ich unter der Geburt vielleicht nicht pressen werden würde, konnte ich mir kaum vorstellen. Auch das ich die Wehen nicht lauthals vertönen müsste, wie bei meiner ersten Geburt, traute ich mir lange Zeit gar nicht zu. Oft schaute ich mir im Internet ein bestimmtes Hypnobirthing-Video von einer wundervollen, sanften Geburt an. Ich war jedes Mal so fasziniert und dachte immer wieder „Wenn diese Frau das kann…warum sollte ich dann nicht auch so gebären können?“ und zu meiner eigenen Überraschung wuchs in mir mit der Zeit der Wunsch nach einer Hausgeburt, nach genau so einer sanften Geburt. Doch was, wenn ich dann doch das ganze Haus zusammen schreien würde? Das wollte ich auf keinen Fall! Ganz konkret erhoffte ich mir eine kürzere Geburt, bei der ich mehr Kraft haben und ich mich viel bewegen würde. Ich wünschte mir, mit meinem Kind während des Geburtsprozesses gut in Kontakt zu sein und nicht von Schmerzen überwältig zu werden. Und ich hoffte, nach der Geburt schneller wieder fit zu sein. Wäre es dann anderes gekommen, wäre ich zugegebener weise enttäuscht gewesen. Doch von dem Kurs hatte ich auch schon in der Schwangerschaft profitiert, denn er hatte sich bereits alleine für die vielen Momente der Entspannung gelohnt. Doch dann sind ja tatsächlich all meine Wünsche in Erfüllung gegangen, ich kann es nach wie vor kaum glauben. Ich habe eine so wunderbare Geburt erleben dürfen und bin zutiefst dankbar für diese Erfahrung!

Neun Stunden hat sie von der ersten Wehe an gedauert, sie war also deutlich kürzer als meine erste. Es gab währenddessen nicht einen unangenehmen Moment. Klar, die Wehen waren teils sehr intensiv, aber ich konnte mich immer ganz auf meine Atmung konzentrieren. Als es losging, es war 3 Uhr nachts, schlich ich ins Wohnzimmer, legte mich auf die Couch und machte mir die Regenbogenentspannungs-CD an. Ich war so aufgeregt und neugierig, wie sich die Wehen diesmal wohl anfühlen würden: ein Ziehen, tief und voll, später auch wieder in die Oberschenkel ausstrahlend. Nach einiger Zeit hatte ich das Bedürfnis, die Wehen bewusst zu veratmen und fühlte mich gegen Morgen im Liegen nicht mehr wohl. Ich wollte lieber ganz aufrecht sein, saß also viel auf dem Pezziball und konnte mich in der Position gut Bewegen und mein Becken kreisen lassen. Als mein Mann irgendwann den Pool aufbaute und auch die Hebamme rufen wollte, war mir das noch viel zu früh. Obwohl ich mein Kind schon ganz tief in mir spürte dachte, ich (verglichen mit der ersten Geburt), dass ich gerade mal die Hälfte geschafft hätte. Wie gut, dass ich nachgab, denn eine Stunde vor der Geburt traf die Hebamme dann ein. Alles war so schön im Fluss, dass sie sich eigentlich nur im Hintergrund aufhielt und gelegentlich die Herztöne abhörte. Mein Mann allerdings war die ganze Zeit in meiner Nähe. Ab den Morgenstunden wollte ich ihn bei jeder Wehe neben mir wissen und hielt seine Hand. Er atmete jedes Mal mit, was mir total half. Einige Male las er mir meine Affirmationen vor. Ich war so gerührt, all die Sätze, die ich so viele Male während der Schwangerschaft gehört bzw. gelesen hatte, nun unter der Geburt zu hören. Ja, jetzt war es tatsächlich soweit: ich würde mein Baby, auf das ich so lange gewartet hatte, ganz bald in den Armen halten können! Auch die Light-Touch-Massage, die mein Mann meist neben mir sitzend an meinem Arm ausführte, war total angenehm und half mir sehr, so entspannt wie möglich zu bleiben. Ich fühlte mich ganz verbunden mit ihm und hatte wirklich den Eindruck, wir würden die Geburt gemeinsam erleben, er genauso wie ich. Die letzte halbe Stunde, zur eigentlichen Geburtsphase, stieg ich dann in den Geburtspool, wo kurz darauf meine Fruchtblase platzte. Ich spürte irgendwann, dass die Wellenatmung nun nicht mehr angebracht war, machte ein paar Mal die Geburtsatmung und gab mich dann nur noch der Geburt hin. Ich überließ tatsächlich das Gebären meinem Körper und verfolgte überglücklich, wie der Kopf meines Kindes immer tiefer kam, ganz ohne Pressen. Erstaunlicherweise auch ohne diesen brennenden Schmerz, den ich noch von der ersten Geburt her kannte. Irgendwann konnte ich mit meinen Fingern den Kopf fühlen, was für ein überwältigender Moment…und dann war der Kopf auch schon geboren. Der Körper kam wenig später hinterher und wir fingen unser Kind selbst auf, wie in meinen Träumen.

Und jetzt, einen Monat nach der Geburt, kann ich auch berichten, wie schnell meine Kraft zurückkehrte. Ich hatte keinen Dammriss, unglaublicher Weise noch nicht mal Abschürfungen und fühlte mich nach ein paar Tagen schon wieder so fit, dass ich kaum im Bett bleiben wollte.

Ja, das war sie, meine Hypnobirthing-Geburt, die größte Feier meines Lebens!!!

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